…Paul Gludovatz (SV Ried Trainer)

Posted On 19 Okt 2011
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Sehr geehrter Herr Gludovatz, für uns sind Sie nicht nur als Bundesligatrainer ein interessanter Interviewpartner , sondern auch als einer, der viele, viele Jahre in der Jugendarbeit tätig war. Sie galten dort insbesondere als Trainer diverser Jugend-Nationalmannschaften als sehr sachkundiger Ausbildner, jetzt sind Sie mit der SV Ried im Profigeschäft auch sehr erfolgreich. Wie unterscheidet sich der Alltag des Bundesligatrainers vom hauptberuflichen Jugendtrainer, was gefällt ihnen jetzt, was gefiel ihnen früher besser bzw. geht Ihnen jetzt ab?
Team (U16 – A-Team)Trainer und Vereinstrainer sind zwei verschiedene Jobs.  Zum einen (ersten) bist du ausschließlich auf GOOD-WILL Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern angewiesen (Ein Teamtrainer ENTWICKELT nicht und nichts), bist also Koordinator der vorhandenen personellen Ressourcen! Ein Vereinstrainer hat die tägl. Arbeit „am Mann“, sieht Verbesserungen(bei jungen Spielern mehr), hat aber wenig Möglichkeiten bei Problemen Spieler zu wechseln – Teamtrainer = Fluktation: Der „Beste“ zur „Richtigen“ Zeit.

Sie haben einmal angedeutet, für den ÖFB wären Sie keine tatsächliche Option auf den Teamchefposten, da Sie dies mit der – wohl unerwünschten – Forderung, Strukturen zu verändern, verbinden würden. Verraten Sie uns ein paar Struktur-Beispiele, die aus Ihrer Sicht Mitgründe dafür sind, dass das Nationalteam gar so erfolglos ist?
Ich habe intern Herrn Präs.Dr. Leo Wintner in unserem Gespräch Strukturveränderungen vorgeschlagen, werde diese Frage aber nicht öffentlich beantworten.

Anders als einige Ihrer Kollegen haben Sie kaum Wortmeldungen zur Teamchefbestellung abgegeben. Wie finden Sie die Nominierung und was halten Sie von den zahlreichen ablehnenden Kommentaren Ihrer Kollegen?
Wenn man einander nicht kennt, muß man beidseitig aufeinander zugehen. Der Teamtrainer muss den österreichischen Fußball und die Fußballer kennenlernen (bis jetzt nur am deutschen, italienischen und schweizer FB nach eigenen Aussagen interessiert), als Vereinstrainer warte ich auf den ersten Kontakt und werde „wie man in den Wald hineinruft, …“ reagieren.

Wir haben uns das Kabarettprogramm unseres JAZ-Ausbildungsleiters Gernot Sick angesehen. Auch wenn es zahlreiche unterhaltsame, lustige Passagen gibt, wird doch deutlich, wie schmutzig das Profigeschäft eigentlich zeitweise ist, und welch schwarze Schafe es unter den Funktionären, Trainern und auch Spielern gibt. Wie geht jemand wie Sie, der doch sehr viel Aufrichtigkeit, eine gerade Linie und Fairness nach außen hin vermittelt, mit diesen sicher tatsächlich vorhandenen Kollegen, Funktionären und Spielern im Profigeschäft sowie damit um, dass auch im Umgang mit den Medien – vorsichtig ausgedrückt – sehr viel Diplomatie erforderlich ist?
Als NW-Teamtrainer beim ÖFB hörte ich „vieles“ und interpretierte es als Gerüchte, als Vereinstrainer werde ich bei der SV Josko Ried nur in geringem Ausmaß mit der Realität konfrontiert. Andere Klubs?-kann ich nicht bestätigen. Die Zusammenarbeit mit den Medien und ihren Vertretern ist ein eigenes Thema.

Nach siegreichen Spielen wirken Sie in ihren Interviews oftmals wesentlich weniger euphorisch als ihre Kollegen. Sind Ihnen Ergebnisse weniger wichtig als in jüngeren Jahren, freuen Sie sich in erster Linie innerlich oder hat es schon auch damit zu tun, dass Sie bei aller Begeisterung doch oft auch den Anschein erwecken, dass die Leute ruhig wissen sollen, dass es auch für echte Profis noch andere, wichtigere Dinge im Leben gibt?
Die Antworten geben sie selbst in der Fragestellung: Eine gewisse Distanz ist zur reinen Resultats- und Rankingdenkweise notwendig, sonst gibts Probleme mit der Einschätzung und Wertschätzung der Leistung.