…Martin Wolf

Posted On 14 Jul 2010
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Sollte man sich selbst interviewen?
Nur wenn man
a.) etwas zu sagen und hat und zusätzlich
b.) aktuell gerade keinen Interviewpartner findet und
c.) sich nicht gerade in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet oder diesen wenigstens
d.) einigermaßen unter Kontrolle hat.

Was begründet den aktuellen Ausnahmezustand?
Das sind mehrere Faktoren. Da ist einmal die unglaublich schwierige Kaderplanung von nicht weniger als mindestens 7 JAZMannschaften. Bei den Älteren mangelt es teilweise an Kontinuität und Verlässlichkeit, bei den Jüngeren muss man noch mehr aufpassen, dass der Eine oder Andere nicht wegen einer Falscheinschätzung gleich zerbricht. Dazu kommen naturgemäß teilweise sowohl mit den Trainern und Verantwortlichen als auch eigenen Kindern viel zu ungeduldige Eltern, ohne dass man ihnen dies zum Vorwurf machen kann, weil es einfach schwer ist, fair und sachlich zu bleiben, wenn es um die Emotion Fußball geht.

Von der Emotion Fußball bzw. JAZ leben wir aber?
Absolut! Es ist ein Wahnsinn, was unsere Trainer um einen Bruchteil von Trainergehältern der sog. Großklubs zu leisten bereit sind. Unsere Emotion heißt Fußball leben, mit allem was dazugehört. Ich habe schon viel gesehen, aber ich bezweifle, dass außer Red Bull Salzburg und Rapid jemand im Bereich bis zu den Akademien in Österreich strukturierter und insgesamt besser arbeitet als wir. Welcher Ausbildungsverein hat in jeder LeistungsklasseMannschaft zwei echte Trainer und nicht nur einen Co am Papier? Wo spielt ein 13jähriger mit Namen am Trikot als Neuzugang nach einer knappen Woche? Wo ladet der Verein nach einem Abendspiel die Jugendspieler in der Kantine zu Spagetti ein? Wo kann man binnen weniger Stunden per Foto und Spielbericht auf der Homepage lesen, wie die U12 in welcher Besetzung gespielt hat? Und vor allem, wo gibt es all das zusammen? Wo kommt der Individualtrainer in Kenntnis jedes Einzelnen, um dessen Schwächen wegzubringen und seine Stärken zu forcieren? Und wo bitte in Österreich hat die Jugend, hier das JAZ, ein von den Kampfmannschaften völlig getrenntes eigenes Budget, in das jedes Sponsoring fließt? Ich glaube, das gibt´s nur beim JAZ und seinem Trägerverein SV Gössendorf, der mit großer Fairness und Vertrauen uns hier einfach was weiterbringen lässt, was für Österreich schon ein mittelgroßes Wunder ist.

Und der Red‐Bull‐Deal?
Hier muss man unterscheiden. Finanziell kriegen wir von RED BULL null komma josef, sprich nichts. Das bleibt an uns hängen, und je höher die (berechtigten) Ansprüche von Eltern, Spielern und letztlich auch Red Bull hinsichtlich unserer Qualität werden, desto schwieriger wird es finanziell. Sportlich natürlich und in puncto Vorbild ist RED BULL Salzburg ein absoluter Wahnsinn. Ich habe gemeinsam mit Franz Meierhofer zahlreiche Red BullVerantwortliche schon in der Verhandlungsphase aber auch ab der Kooperation kennenglernt und noch keinen Amateur oder Scheinprofi gesichtet. Und ich habe Menschenkenntnis, das behaupte ich als gelernter Strafrichter. Im Ernst, dort gibt es nur absolute Profis, dort hat jeder eine Einstellung, die für Österreich völlig unüblich ist. Wir profitieren ungemein und wissen, dass wir auch viele Leute haben, die da mitziehen können. Red Bull wird mit uns noch viel mehr Freude haben, als sie es sich erträumt haben. Wir werden ihnen in der kommenden Saison beweisen, was unsere 97er alles drauf haben, die Jahrgänge danach werden noch erfolgreicher und in ein paar Jahren sind wir die erste Adresse in der Steiermark, da wette ich gerne viel Geld.

Klingt wie ein Traum?
Träume gehen schon noch weiter. Als Franz Meierhofer und ich die ersten Kontakte zu Red Bull Salzburg gesucht und danach davon erzählt haben, konnten selbst viele Gössendorfer Funktionäre das Lachen kaum verhalten. Als Franz dann irgendwann gesagt hat, so, jetzt ist es also fix, Red Bull kooperiert mit uns und freut sich auf unser erstes gemeinsames Sichtungstraining, zu dem natürlich Leo Lainer und Heiko Laessig kommen, hat ihm das vermutlich nicht einmal sein Sohn Dani Beichler abgenommen. Und als ich dann zum Akademieleiter Heimo Kump gemeint habe, in 5 bis 10 Jahren will ich, dass es auch in Graz eine Red Bull Akademie gibt, die du gerne leiten kannst, weil dann musst du nicht mehr pendeln, wird er sich schon auch gedacht haben, dem kleinen Strafrichter dürft ein Akt am Schädel gefallen sein. Aber mal sehen… Alles ist möglich, nicht nur im Lotto.